Was ist der Strafrichter?
Der Strafrichter ist einer der drei Arten von Richtern, die Strafsachen behandeln. Während der Kantonsrichter sich lediglich mit Übertretungen befasst und die Strafkammer (drei Richter) große Strafsachen verhandelt, behandelt der Strafrichter zumeist kleinere Strafsachen. Der Strafrichter ist ein Einzelrichter. Er urteilt über Straftaten und darf keine höhere Strafe als eine Freiheitsstrafe von einem Jahr verhängen.
Welche Strafsachen werden vom Strafrichter behandelt?
Der Strafrichter behandelt nur Strafsachen, in denen (unter anderem) ein Vergehen oder Verbrechen zur Last gelegt wird. Übertretungen werden vom Kantonsrichter behandelt. Der Strafrichter befasst sich hauptsächlich mit kleineren, weniger schweren Straftaten und Fällen von geringer Komplexität. Denken Sie zum Beispiel an Ladendiebstahl, einfache Körperverletzung, Fahren unter Alkoholeinfluss und kleinteiligen Drogenhandel.
Wichtig zu wissen ist, dass die Staatsanwaltschaft entscheidet, bei welchem Richter ein Fall anhängig gemacht wird. Auch größere Fälle können theoretisch vor den Strafrichter gebracht werden, wenn der Staatsanwalt dazu Anlass sieht, beispielsweise weil er beabsichtigt, eine niedrige Strafe zu fordern.
Der Strafrichter urteilt – genau wie die Strafkammer – über alle Aspekte einer Strafsache. Der Strafrichter ist somit auch befugt, eine Entscheidung zu treffen über beispielsweise:
bulletpoints die Untersuchungshaft, die Forderung der geschädigten Partei, eine eventuelle Beschlagnahme oder eine Forderung auf Einziehung rechtswidrig erlangter Vorteile.
Wie läuft eine Hauptverhandlung beim Strafrichter ab?
Der Ablauf einer Sitzung beim Strafrichter unterscheidet sich nicht wesentlich von dem bei der Strafkammer, aber die Atmosphäre ist oft etwas informeller. Die Sitzung beginnt mit dem Vortrag des Staatsanwalts. Dieser erläutert kurz, wessen Sie verdächtigt werden. Danach wird der Richter mit Ihnen ins Gespräch gehen. Er wird Ihnen die in der Akte befindlichen Unterlagen vorhalten und Ihnen verschiedene Fragen zu den Ihnen zur Last gelegten Vorwürfen stellen. Als Beschuldigter haben Sie jederzeit das Recht zu schweigen, also auch bei diesen Fragen. Es ist ratsam, dies mit einem Strafverteidiger zu besprechen. Die Anwälte unserer Kanzlei bereiten Sie so gut wie möglich darauf vor, was Sie in der Verhandlung erwartet.
Persönliche Umstände
Danach wird der Richter mit Ihnen über Ihre persönlichen Umstände sprechen. Es ist wichtig, dass der Richter sich ein Bild von Ihrer persönlichen Situation machen kann. Dies ist insbesondere relevant für die Entscheidung über die Art und Höhe der Strafe, die Sie erhalten könnten, sollten Sie verurteilt werden.
Plädoyer der Staatsanwaltschaft
Anschließend ist es an dem Staatsanwalt, sein Plädoyer zu halten. Darin wird er erläutern, auf Basis welcher Beweismittel die verschiedenen zur Last gelegten Taten bewiesen werden können und welche Strafe Sie für diese Taten erhalten sollten.
Plädoyer des Anwalts
Danach ist die Verteidigung an der Reihe. Ein Anwalt unserer Kanzlei kann in Ihrem Namen die Verteidigung mit einem Plädoyer führen. Darin kann auf die Frage eingegangen werden, ob die Akte genügend Beweise für eine Verurteilung enthält. Wenn die Akte Formfehler aufweist, wird der Anwalt diese ebenfalls für Sie vorbringen. Oft wird im Plädoyer auch ein Verteidigungsvorbringen zum Strafmaß gemacht. Darin geht der Anwalt auf Umstände ein, aufgrund derer Sie eine geringere Strafe als gefordert erhalten sollten. Mögliche Einwände gegen eine Schadensersatzforderung werden ebenfalls vorgebracht.
Replik und Duplik
Der Staatsanwalt und der Anwalt erhalten jeweils einmal die Möglichkeit, aufeinander zu reagieren. Dies nennt man Replik und Duplik. Schließlich gibt der Richter Ihnen die Möglichkeit, noch etwas zu sagen. In der Strafsache geht es nämlich um Sie, und deshalb haben Sie das letzte Wort. Das ist von großer Bedeutung, und daher ist es gut, auch dies vorab mit Ihrem Anwalt zu besprechen.
Urteil
Dann ist die Sitzung beendet und es folgt das Urteil. Der Strafrichter wird begründen, warum er bestimmte Fakten für erwiesen hält oder nicht und ob Sie somit verurteilt oder freigesprochen werden. Wenn Sie verurteilt werden, erklärt er, welche Strafe und/oder Maßnahme er verhängt, und teilt Ihnen die Möglichkeit der Berufung mit.
In welchem Zeitraum fällt der Strafrichter das Urteil?
Der Strafrichter fällt das Urteil im Prinzip sofort. Das geschieht unmittelbar nach Abschluss der Beweisaufnahme in der Verhandlung. So wissen Sie auch sofort, woran Sie sind. Dieses Urteil erfolgt mündlich. Es folgt also kein ausführliches schriftliches Urteil. In sehr außergewöhnlichen Fällen, wenn der Richter doch mehr Zeit benötigt, um sein Urteil zu fällen, kann er das Urteil auch schriftlich erlassen. Dieses folgt dann zwei Wochen nach der Sitzung.
Welche Strafen und Maßnahmen kann der Strafrichter verhängen?
Der Strafrichter kann – bis auf wenige Ausnahmen – dieselben Strafen und Maßnahmen verhängen wie die Strafkammer. Die einzige Einschränkung, die ihm auferlegt ist, besteht darin, dass er keine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verhängen darf. Es steht dem Strafrichter jedoch frei, eine gemeinnützige Arbeit von 240 Stunden oder eine Geldbuße der sechsten Kategorie, die gesetzlichen Höchstmaße, zu verhängen.
Entscheidet der Richter auch über die Forderung der geschädigten Partei?
Wenn Sie eine Straftat begehen, bei der ein Opfer Verletzungen und/oder Schäden erleidet, kann dieses einen Antrag auf Schadensersatz stellen. Dabei kann es zum Beispiel um physische und psychische Verletzungen durch eine Körperverletzung, Reparaturkosten eines Autos nach einem Zusammenstoß oder die Entschädigung für ein gestohlenes Mobiltelefon gehen.
Der Strafrichter kann der Forderung ganz oder teilweise stattgeben, wenn er der Ansicht ist, dass der geforderte Schaden tatsächlich entstanden ist und Sie dafür verantwortlich sind. Sollte der Schaden unzureichend begründet sein oder hat die Tat, für die Sie verurteilt wurden, nichts mit diesem Schaden zu tun, kann der Richter die Forderung abweisen oder die geschädigte Partei mit ihrer Forderung für unzulässig erklären. Im letzteren Fall kann die geschädigte Partei ihre Forderung noch vor dem Zivilrichter geltend machen. Wenn Sie von einer Straftat freigesprochen werden, wird die Forderung der geschädigten Partei ebenfalls für unzulässig erklärt. Ein Anwalt kann in Ihrem Namen Einwände gegen eine eventuelle Forderung der geschädigten Partei vorbringen.
Was können Sie tun, wenn Sie mit dem Urteil des Strafrichters nicht einverstanden sind?
Wenn Sie mit dem Urteil des Strafrichters nicht einverstanden sind, haben Sie ab der Urteilsverkündung vierzehn Tage Zeit, um Berufung einzulegen. Dann wird der Fall zu einem späteren Zeitpunkt erneut vor dem Gerichtshof verhandelt.
Warum ist es ratsam, einen Anwalt einzuschalten, wenn Sie vor den Strafrichter geladen werden?
Obwohl der Strafrichter die kleineren Strafsachen behandelt, kann eine Verurteilung durch den Strafrichter weitreichende Folgen für Sie haben. Eine Freiheitsstrafe verbüßen zu müssen, kann Ihr Leben auf den Kopf stellen. Denken Sie zum Beispiel an den Verlust der Wohnung oder den Verlust Ihres Arbeitsplatzes. Darüber hinaus kann ein Eintrag in Ihr Führungszeugnis Folgen für den Erhalt eines polizeilichen Führungszeugnisses (VOG) haben. Ein Strafverteidiger, der mit kritischem Blick auf Ihren Fall schaut und die richtigen rechtlichen Einwände vorbringt, kann aus diesem Grund viel für Sie bedeuten. Kleine Details, die sich in der Akte befinden und die oft vom Richter nicht sofort bemerkt werden, können den Unterschied zwischen einer Verurteilung und einem Freispruch ausmachen. Auch kann der Anwalt Sie bezüglich der einzunehmenden Prozessstrategie beraten.



