Was sind Gewaltdelikte?
Gewaltdelikte sind Straftaten, bei denen Gewalt gegen Personen angewendet wird. Zu den häufigsten Gewaltdelikten in den Niederlanden gehören:
- Einfache Körperverletzung
- Schwere Körperverletzung
- Öffentliche Gewaltanwendung
- Bedrohung
- Totschlag oder Mord
- Raub
Diese Delikte können von einem Stoß oder Schlag bis hin zu schwerer Körperverletzung oder sogar zum Tod führen.
Wann spricht man von schwerer Körperverletzung?
Schwere Körperverletzung ist eine Verletzung, die schwerwiegend ist und einen langfristigen oder dauerhaften Einfluss auf die körperliche Gesundheit einer Person hat. Es handelt sich also nicht um einen blauen Fleck, eine Prellung oder eine (Schürf-)Wunde, die von selbst wieder verheilt, sondern um Beschwerden, die gravierender und dauerhafter sind. Ob eine Verletzung als „schwer“ eingestuft wird, wird anhand der folgenden drei Gesichtspunkte bestimmt:
- Wie schwerwiegend ist die Verletzung?
- Ist ein medizinischer Eingriff für die Genesung erforderlich?
- Wird das Opfer vollständig genesen?
Die endgültige Beurteilung, ob eine schwere Körperverletzung vorliegt, obliegt dem Richter. Dieser stützt sich auf medizinische Berichte, Zeugenaussagen und die Umstände des Vorfalls. Jeder Fall ist anders, daher wird immer das Gesamtbild betrachtet. Die folgenden Formen von Verletzungen werden im Strafrecht häufig als „schwer“ eingestuft:
- Knochenbrüche, die eine Operation erforderlich machen
- Schwere Zahnschäden, wie der Verlust von Zähnen, die eine medizinische Behandlung erfordern
- Verlust des Seh- oder Hörvermögens
- Lähmung
- Eine auffällige oder entstellende Narbe im Gesicht
- Eine unerwünschte oder missgebildete Tätowierung, die dauerhaft sichtbar bleibt
- Infektion mit einem schweren Virus, wie z. B. HIV
Was ist der Unterschied zwischen Körperverletzung und öffentlicher Gewaltanwendung?
Der Unterschied zwischen Körperverletzung und öffentlicher Gewaltanwendung ist sowohl rechtlich als auch praktisch von großer Bedeutung. Obwohl sich diese Delikte in der Praxis regelmäßig überschneiden, unterscheiden sie sich wesentlich in ihrer Art und den Voraussetzungen für die Strafbarkeit. Zudem stehen auf öffentliche Gewaltanwendung schwerere Strafen als auf die verschiedenen Formen der Körperverletzung.
Körperverletzung ist im Kern das vorsätzliche Zufügen von Schmerz oder körperlichem Schaden an einer anderen Person. Ziel dieser Strafbestimmung ist der Schutz der körperlichen Unversehrtheit.
Öffentliche Gewaltanwendung ist im Kern die gemeinschaftliche Begehung von Gewalt gegen Personen oder Sachen in der Öffentlichkeit. Ziel dieser Strafbestimmung ist der Schutz der öffentlichen Ordnung.
Während Körperverletzung also von einer Person begangen werden kann und auch im privaten Bereich stattfinden kann, erfordert öffentliche Gewaltanwendung, dass mindestens zwei Personen an der Gewalt beteiligt sind und dass die Gewalt an einem öffentlichen Ort stattfindet, wo sie für Umstehende sichtbar sein kann. Darüber hinaus muss der Täter bei Körperverletzung grundsätzlich selbst Gewalt angewendet haben (es sei denn, es liegt Beihilfe oder Mittäterschaft vor), während dies bei öffentlicher Gewaltanwendung nicht zwingend erforderlich ist. Für eine Verurteilung wegen öffentlicher Gewaltanwendung reicht es aus, dass der Täter Teil der Gruppe war und die Gewalt unterstützt hat, beispielsweise durch das Anfeuern von Mittätern.
Ist der Versuch der Körperverletzung strafbar?
Ein Versuch der einfachen Körperverletzung ist nicht strafbar. Jemand, der beispielsweise eine andere Person fest ins Gesicht schlagen will, aber verfehlt, kann nicht bestraft werden. Der Versuch der schweren Körperverletzung hingegen ist strafbar. Denken Sie an die Situation, in der jemand eine andere Person mit hoher Geschwindigkeit anfahren will, aber verfehlt. In diesem Fall kann der Autofahrer strafrechtlich verfolgt werden. Das Gesetz macht diesen Unterschied, weil es sich bei schwerer Körperverletzung um eine schwerwiegendere Straftat mit viel gravierenderen Folgen handelt.
Welche Strafe droht bei einem Gewaltdelikt?
Die Strafe für ein Gewaltdelikt hängt von der Schwere der Tat, den Verletzungen des Opfers und eventuellen strafverschärfenden Umständen ab.
- Bedrohung: maximal 3 Jahre Freiheitsstrafe
- Einfache Körperverletzung: maximal 3 Jahre Freiheitsstrafe
- Öffentliche Gewaltanwendung
- Keine Verletzung: maximal 4 Jahre Freiheitsstrafe
- Leichte Verletzung: maximal 6 Jahre Freiheitsstrafe
- Schwere Körperverletzung: maximal 9 Jahre Freiheitsstrafe
- Mit Todesfolge: maximal 12 Jahre Freiheitsstrafe
- Schwere Körperverletzung: maximal 8 Jahre Freiheitsstrafe
- Totschlag: maximal 25 Jahre Freiheitsstrafe
- Mord: lebenslange Freiheitsstrafe oder maximal 30 Jahre
Der Richter kann je nach den Umständen auch eine Geldstrafe, eine Arbeitsstrafe, eine Bewährungsstrafe oder Schadensersatz verhängen.
Was sind strafverschärfende Umstände?
Strafverschärfende Umstände sind Faktoren, die die Schwere des Gewaltdelikts erhöhen und zu einer höheren Strafe führen können. Beispiele sind:
- Einsatz einer Waffe
- Das Opfer ist ein Beamter im Dienst (z. B. ein Polizeibeamter)
- Die Gewalt wurde gegen ein Kind oder eine schutzbedürftige Person, wie z. B. ältere Menschen, verübt
- Es liegt Vorbedacht vor
- Die Gewalt fand im häuslichen Bereich statt
- Das Opfer hat bleibende Schäden erlitten
Diese Umstände werden vom Richter bei der Festlegung des Strafmaßes negativ berücksichtigt.
Warum einen Anwalt nehmen, wenn Sie eines Gewaltdelikts verdächtigt werden?
Eine Verurteilung wegen eines Gewaltdelikts kann Auswirkungen auf Ihre Zukunft haben. Möglicherweise riskieren Sie nicht nur eine Freiheitsstrafe. Sie könnten in Zukunft auch Probleme bei der Erlangung eines Führungszeugnisses (VOG) bekommen. Ihr Anwalt hilft Ihnen, diese unangenehmen Folgen zu vermeiden. Unsere Strafrechtsanwälte verfügen über umfangreiche Erfahrung in derartigen Strafsachen. Auf der Grundlage Ihrer Prozessakte suchen sie nach der besten Verteidigungsstrategie für Ihr Strafverfahren. Ihr Anwalt prüft für Sie, ob ein Freispruch in Ihrem Fall möglich ist. Nehmen Sie unverbindlich Kontakt auf, um gemeinsam die Möglichkeiten zu besprechen.



